Janine Wenzel von Gepackt & Los wandert mit Stöcken vor einem Bergpanorama.

Gepackt & Los! – Janine auf sanften Pfaden durch die Alpen und Europa

Seit 2018 bloggt Janine Wenzel über ihre große Leidenschaft – das Reisen und Wandern. Sechs Alpenländer und einige weitere europäische Länder hat sie bereits intensiv erkundet. Auf Gepackt und Los! berichtet sie dabei nicht nur über die Regionen, sondern auch über andere Themen wie Wanderausrüstung und nachhaltiges Reisen. Seit 2024 macht sie dies sogar hauptberuflich in enger Zusammenarbeit mit Tourismusregionen. Wir haben uns mit Janine zum Gespräch getroffen.

Janine Wenzel vom Blog Gepackt & Los sthet auf einem erhöhten Fels zwischen grünen Bäumen. Im Hintergrund ist ein Flusstal umgeben von sanften, grünen, bewaldeten Hügeln zu sehen.
Janine Wenzel vom Reise- und Wander-Blog Gepackt & Los

Moin Janine, schön, dass Du Zeit für uns gefunden hast! Wo warst Du zuletzt unterwegs? Und wo soll es als nächstes hingehen?

Ich war erst vor kurzem in Finnland unterwegs und habe die Region rund um den Pielinen-See erkundet. Der See liegt im östlichen Teil des Landes. Besonders faszinierend fand ich, dass ich die Gegend schon im Sommer erleben durfte und jetzt den direkten Vergleich zum Winter im Koli-Nationalpark und seiner Umgebung habe. Ein bisschen Heimkehr-Depri ist auf jeden Fall noch geblieben.


Aber: Die Vorfreude auf die nächsten Reisen ist auch groß! Es geht nach Kärnten, wo ich mehrere Wanderwege entlang der neuen Zugstrecke entdecken darf. Diese Strecke ist Teil der Koralmbahn und mit ihrem Tunnelbau definitiv ein Projekt, das in Österreich Geschichte schreiben wird.

Werden wir davon auch in Deinem Blog lesen können?

Meine Blogbeiträge zu Sommer- und Winteraktivitäten rund um den Pielinen-See bzw. den Koli-Nationalpark sind bereits online. Da kann man also gut nachlesen, was andere dort erleben können und meine Fotos machen hoffentlich auch sehr viel Lust, all dies selbst zu erleben.
Mein Fokus liegt auf ganz Europa. Besonders gerne stelle ich Orte und Regionen abseits der klassischen Touristenpfade vor und zeige, wie reizvoll sie auch zu anderen Reisezeiten sein können.

Dein Blog heißt „Gepackt & Los“. Das klingt nach spontanem Aufbruch. Gehst Du gerne kurzentschlossen auf Reisen oder recherchierst und planst Du normalerweise länger, bevor Du Dich auf ein neues Reiseziel einlässt – oder beides?

Haha, das ist mir bei den Namen noch gar nicht eingefallen, aber es klingt irgendwie passend.

Tatsächlich beides! Selten buche ich nur einen Tag im Voraus, aber es kommt vor. Auch berufliche Reisen finden manchmal sehr spontan statt. Da hatte ich schon mal den Fall, dass ich einen Tag nach der Zusage aufgebrochen bin. 

In der Regel buche ich aber sehr viele Monate im Voraus. Das gibt mir auch etwas Sicherheit. Im Kopf habe ich auch eine Liste mit Regionen und Wanderungen, die ich mir gerne anschauen möchte. Diese plane ich dann zwischen den anderen Aufträgen ein.

Eine Frage, die uns bei Marmota Maps natürlich besonders interessiert: Welche Rolle spielen Landkarten für Dich? Unterwegs sind digitale Karten vermutlich inzwischen unverzichtbar. Nutzt Du auch noch klassische Landkarten auf Papier vor oder während Deiner Reisen?

Ich liebe Landkarten! Und zwar beide Arten – Papier und digital. Ich schaue mir Gebiete und Routen sehr gerne auf Papierkarten an und gehe mit dem Finger nach. Zur finalen Planung und auch unterwegs nutze ich dann vor allem die digitalen Karten. Weil man einfach so schön hinein- und herauszoomen kann – natürlich habe ich sie mir vorher offline gespeichert. Je nach Tour habe ich aber auch eine riesige Papierkarte im Rucksack, die ich während einer Pause heraushole.

Daheim habe ich eine Welt- und eine Europakarte an der Wand hängen. Eigentlich müsste ich die Weltkarte mal durch eine Österreichkarte ersetzen. 

Du bist in Düsseldorf geboren und in Wuppertal aufgewachsen. Wie viel „fröhliche Rheinländerin“ steckt in Dir? Und welche Beziehung hast Du zu Nordrhein-Westfalen?

Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass Deutsche ihre Heimat nicht zu schätzen wissen. Dabei ist das Land sehr vielseitig, landschaftlich extrem abwechslungsreich und es gibt überall schöne Ecken. Früher habe ich auf Reisen auf die Frage, was man in Deutschland gesehen haben muss, geantwortet, dass sich Deutschland nicht lohnt und andere Länder viel schöner sind. Erschreckend finde ich das heute.

Mein Stolz auf meine alte Heimat kam erst auf, als ich nach Österreich gezogen bin. Zuletzt habe ich in Essen gewohnt und freue mich immer sehr, wenn ich wieder einmal in der Gegend bin.

Wie sieht es mit den Alpen aus? Von Graz aus lagen sie ja vor Deiner Haustür.  Sind die (österreichischen) Alpen sowas wie Deine Spielwiese oder Dein Wohnzimmer?

Es ist schon anders,  als manche bei Euch im Norden vielleicht denken. Viele gehen davon aus, dass die Berge direkt vor meiner Haustüre liegen. Im Vergleich zu meiner alten Heimat Essen trifft das zwar zu, aber die klassischen Alpenpanoramen sind schon eineinhalb Stunden entfernt. 

Rund um Graz erheben sich eher bewaldete Hügel, die auch nett aussehen, aber mit Alpenkitsch haben sie nichts zu tun. Graz liegt eher im Randgebiet der Alpen, also in den Ausläufern. Graz ist wunderschön und ich fühle mich hier wohl, aber leider muss auch ich zum Bergwandern ein Stück fahren.

Janine Wenzel vom Blog Gepackt & Los in roter Jacke und Mütze schaut vor einem Bergpanorama in die Kamera.

Bist Du eine Gipfelstürmerin? Oder zieht es Dich in den Bergen nicht unbedingt bis ganz nach oben auf die Bergspitzen?

Bei mir geht es nicht ums sportliche Bergwandern oder darum, Gipfel und andere Superlative zu sammeln. Der Weg selbst muss mir etwas bieten: schöne Aussichten, bunte Blumenwiesen, einen See oder eine Alm. Ein Gipfelkreuz ist aber kein Muss. Die Alpen sind schließlich weit mehr als nur eine Gruppe von Gipfeln. Auch alles dazwischen ist absolut sehens- und erlebenswert.

Was macht für Dich Reisen in den Bergen und durchs Gebirge im Vergleich zu anderen Gegenden aus?

Ich bin zwar gerne in den Alpen unterwegs, aber ich mag auch das Mittelgebirge und die Weinberge sehr. Bisher war ich noch nie länger im ganz Flachen unterwegs, aber auch das hat für mich seinen Reiz. Hauptsache Natur und Abgeschiedenheit.

Nachhaltigkeit beim Reisen

Zu den Themen, die Dir beim Reisen wichtig sind, gehört die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Ist die Eisenbahn Deine erste Wahl auf Reisen?

Ich bin seit einigen Jahren Besitzerin des Klimatickets Steiermark und der ÖBB-Vorteilscard. Wenn ich in Deutschland bin, kaufe ich mir auch das Deutschlandticket. Ich habe schon einige Zugreisen durch ganz Belgien unternommen und in Luxemburg kann man alle öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos nutzen. Auch einige Nachtzugfahrten in die Schweiz habe ich schon hinter mir.

Leider ist das nicht überall möglich, weshalb ich auch mit dem Auto und dem Flugzeug unterwegs bin. Erste Wahl ist jedoch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

Was war die längste Strecke, die Du auf dem Landweg oder zu Lande und zu Wasser zurückgelegt hast?

Bei dieser Frage musste ich erst einmal überlegen. Ich habe zwei Mehrtagestouren mit genau sieben Tagen unternommen. Länger war ich noch nie am Stück unterwegs. Aber ich hätte große Lust, auch mal neun oder zehn Tage unterwegs zu sein.

Meine längste Tageswanderung führte mich mit über 28 Kilometern auf dem Moselsteig. Das waren zwei Etappen, die ich an einem Tag zusammengenommen gewandert bin.

Zum nachhaltigen Reisen passt auch das Thema „sanfter Tourismus“, das Dir ebenfalls am Herzen liegt. Was gehört für Dich konkret dazu? Und was sind für Dich absolute „No-Gos“ in dieser Hinsicht, wenn Du unterwegs bist?

Ich sehe den sanften Tourismus als Gegenbewegung zum Massentourismus, bei dem Sehenswürdigkeiten nur abgeklappert werden. In Zeiten von „Diese Orte musst du einmal im Leben besucht haben“ und Wochenendflügen geht es darum, länger an einem Ort zu verweilen und ihn intensiver kennenzulernen – vor allem auch abseits der bekannten Pfade. Das funktioniert beispielsweise sehr gut, wenn man mit dem Zug anreist. So nähert man sich dem Ziel langsam und kann während der Fahrt aus dem Fenster schauen und sich auf das Ziel einstimmen.

Alleine unterwegs

Ein weiteres Thema für Dich ist das Alleine-Reisen. Was macht für Dich den besonderen Reiz aus, ohne Begleitung unterwegs zu sein?

Für mich ist es eine bewusste Entscheidung, allein unterwegs zu sein. Ohne Ablenkung sind Naturerlebnisse einfach viel intensiver. Zudem hat es mehr Abenteuercharakter, wenn ich mich selbst orientieren und Entscheidungen treffen muss. Das ist gleichzeitig auch entspannter, weil ich auf niemanden Rücksicht nehmen muss und mich nicht gestresst fühle, weil eine Begleitung schneller oder langsamer ist als ich.

Janine Wenzel vom Blog Gepackt & Los sitzt auf einem Stein vor einem kleinen Bergsee mit ruhiger, perfekt spiegelnder Wasseroberfläche. Im Hintergrund sind Nadelbäume und dahinter schroffe hohe Berge zu sehen.

Ist Deine Social Media-Audience heutzutage bei jeder Reise virtuell dabei oder gehst Du auch noch manchmal ganz für Dich alleine auf Tour?

Zwar ist meine Audience bei einer Reise dabei, aber dann auch wieder nicht. Ich poste meist zeitversetzt, da ich es am selben Tag nicht schaffe, Fotos und Videos zu bearbeiten und hochzuladen. Das umfasst einige Prozessschritte. Die Fotos und Videos müssen erst gesichtet, ausgewählt und überarbeitet werden. Außerdem muss ich mir die Reihenfolge überlegen, damit eine schöne Geschichte entsteht. Das kostet alles sehr viel Zeit.

Magst Du uns noch was zu Deinem Verhältnis zu Kühen und Kuhweiden erzählen?

Kühe sind wirklich tolle Tiere. Wenn sie einen mit ihren großen Kulleraugen anschauen, ist es um einen geschehen. Ich habe aber sehr viel Respekt vor der Größe und dem Gewicht der Tiere und finde sie manchmal ein bisschen unberechenbar. Es passieren immer wieder mal Situationen wie: Eine Kuh aus der Herde starrt mich an und kurze Zeit später kommen sie alle zu mir. Manchmal brauche ich einige Zeit, um mich zu überwinden und vorbeizugehen. Einen großen Bogen drum herum geht nämlich leider nicht immer.

Die meisten Unfälle passieren, wenn Hunde mitwandern. Dennoch habe ich auch als Alleinwanderin ein wenig Angst, überrannt oder geschubst zu werden.

Lieblingsorte und Traumziele

Zum Schluss hätten wir noch ein paar Fragen zu Deinen Lieblingsorten oder liebsten Reisezielen in:

1. Österreich

Besonders die Steiermark und Kärnten haben es mir angetan, da ich sie für meine Bücher so intensiv bereisen und kennenlernen durfte. Mein Seelenort ist das südliche Kärnten, das sehr wild und ursprünglich wirkt. Jedes Mal entdecke ich neue Ecken, die mich faszinieren.

2. den (übrigen) Alpen

Ich fahre sehr gerne nach Slowenien. Zwar ist das Land kein Geheimtipp mehr, aber ich besuche bewusst weniger bekannte Orte oder reise zu ungewöhnlichen Zeiten, zum Beispiel im November oder Februar. Ich brauche keinen strahlend blauen Himmel und Sonnenschein, um auf Erkundungstour zu gehen.

Im Mai plane ich außerdem, nach Frankreich und Monaco zu fahren, womit ich dann auch alle acht Alpenländer bereist hätte.

3. im (weiteren) Europa

Ich finde Luxemburg sehr abwechslungsreich. Ich liebe die Weinberge entlang der Mosel und die mystischen Wälder der Wallonie. Im letzten Sommer habe ich mich in Finnland verliebt, als ich den Koli-Nationalpark das erste Mal besuchte.

Und welche Traumdestinationen gibt es für Dich, die Du gerne noch bereisen möchtest?

In den Alpen würde ich gerne mal die französische Seite der Alpen kennenlernen, was dieses Jahr sogar ansteht.

Ansonsten machen mich Irland und Schottland neugierig.

Vielen Dank für das interessante Gespräch und gute Reise auf Deiner nächsten Tour.


Reiseberichte, persönliche Erfahrungen, Tipps zur richtigen Ausrüstung auf Reisen und vieles mehr könnt Ihr auf Janines Blog Gepackt & Los entdecken:

gepacktundlos.com


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