Wanderausrüstung: Was du auf jeden Fall einpacken solltest

Du hast dich dazu entschlossen, das Abenteuer Fernwanderung anzugehen, und kannst es kaum abwarten? Bevor es losgehen kann, heißt es packen. Und dabei gilt eine Regel über allen anderen: Ein leicht und sinnvoll gepackter Rucksack ist wichtiger als jedes einzelne Ausrüstungsteil. Jedes Gramm, das du nicht trägst, spart Kraft – und Kraft ist am Berg eine Sicherheitsreserve. Wir zeigen dir, was in den Wanderrucksack gehört, wie du die Ausrüstung an deine Tour anpasst und wie du vorher ausrechnest, wie lange du unterwegs sein wirst.

Illustrierte Packliste: Was gehört in den Wanderrucksack? Wasser, Kartenmaterial, Taschenmesser, Erste-Hilfe-Set, Biwaksack, Regenjacke, Wanderstöcke, Grödel und mehr
Quelle: Das Alpenbuch (2025), S. 124

Was macht eine Wanderung überhaupt zur Wanderung?

Der Deutsche Wanderverband nennt vier Merkmale, die eine Wanderung vom Spaziergang unterscheiden: eine Dauer von mehr als einer Stunde, eine entsprechende Planung, die Nutzung spezifischer Infrastruktur – also markierte Wege, Hütten, Wegweiser – und angepasste Ausrüstung. In einer Umfrage des Verbands von 2010 lag die Grenze im Empfinden der Befragten bei etwa 1:22 Stunden für einen Spaziergang und 2:39 Stunden für eine Wanderung. Der letzte Punkt, die Ausrüstung, ist der, um den es hier geht.

Packliste: Was gehört in den Wanderrucksack?

Beim Gepäck gilt: Weniger ist mehr. Als Richtwert für eine mehrtägige Hüttentour sollte der Rucksack nicht mehr als acht bis zehn Kilogramm wiegen. Auch im Sommer kann es in den Bergen zu extremen Temperaturschwankungen kommen, deshalb muss die wenige Kleidung, die du mitnimmst, gut kombinierbar sein. Ein Probepacken einige Tage vor der Tour lohnt sich – meist fliegt dabei ein Drittel wieder raus.

Grundausstattung für jede Bergwanderung

  • Rucksack mit Regenhülle
  • Wasser (mindestens 1,5 Liter, Trinksystem oder Flasche)
  • Brot, Apfel, Müsliriegel – leichte, energiereiche Verpflegung
  • Kartenmaterial und Kompass
  • Mobiltelefon, gegebenenfalls GPS-Gerät
  • Regenjacke und Regenhose
  • Mütze und Handschuhe
  • Kopfbedeckung gegen Sonne, Sonnenbrille, Sonnencreme
  • Stirnlampe
  • Taschenmesser
  • Erste-Hilfe-Set und Blasenpflaster
  • Biwaksack als Notfallreserve
  • Insektenspray
  • Wanderstöcke
  • Grödel – im Frühsommer und Herbst, wenn Altschneefelder auf dem Weg liegen können

Zusätzlich für Hüttentouren und Fernwanderungen

  • Hüttenschlafsack (auf den meisten Alpenvereinshütten Pflicht)
  • Mikrofaserhandtuch
  • Hüttenschuhe und leichte Wechselkleidung für den Abend
  • Zwei bis drei Paar Wandersocken
  • Funktionsshirts kurz und lang
  • Fleece- oder Daunenjacke
  • Softshelljacke
  • Funktionshose kurz und lang
  • Ohrstöpsel für das Matratzenlager
  • Bargeld – nicht jede Hütte nimmt Karte

Die wichtigsten Ausrüstungsteile im Detail

Rucksack

Für Tagestouren reichen 20 bis 25 Liter, für Hüttentouren bist du mit 30 bis 40 Litern gut ausgestattet. Wichtiger als das Volumen ist die Passform: ein atmungsaktives Rückensystem, ein Hüftgurt, der das Gewicht wirklich auf die Hüfte verlagert, und eine Halterung für die Stöcke. Modelle wie der Trion 35 von Mammut oder der Talon 33 von Osprey sind bewährte Beispiele für diese Klasse. Probiere den Rucksack im Fachhandel mit Gewicht an – ein leerer Rucksack sagt nichts über den Tragekomfort.

Bergschuhe – und warum die Wegekategorie entscheidet

Welchen Schuh du brauchst, hängt weniger von der Länge der Tour ab als von der Art des Weges. Die Alpenvereine teilen Wege in vier Kategorien ein, die an den Wegweisern farbig markiert sind:

  • Talwege sind talnahe, breite, einfach zu begehende Wege ohne Absturzgefahr. Meist nicht vom Alpenverein gepflegt und beschildert.
  • Einfache Bergwege (in den Bayerischen Alpen blau markiert) sind überwiegend schmal, können steil sein, haben aber keine absturzgefährlichen Passagen.
  • Mittelschwere Bergwege (rot) sind oft steil, können absturzgefährliche Passagen aufweisen und kurze versicherte Stellen, etwa ein Drahtseil.
  • Schwere Bergwege (schwarz) sind schmal, steil und absturzgefährlich. Es kommen gehäuft versicherte Gehpassagen und einfache Kletterstellen vor, die den Gebrauch der Hände erfordern. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unbedingt erforderlich.

Die Farbcodes unterscheiden sich je nach Region – in Tirol, Salzburg, Vorarlberg, der Schweiz und Slowenien werden teils andere Symbole verwendet. Für Talwege und einfache Bergwege reicht ein leichter Wanderschuh. Ab rot solltest du zu robusten, knöchelhohen Bergschuhen mit fester Profilsohle greifen. Ein bewährtes Modell für Fernwanderungen ist etwa der Bellavista MFS von Meindl – leicht, bequem, wasserdicht. Egal welches Modell: Lauf die Schuhe vorher ein. Blasen am zweiten Tag einer Hüttentour sind das häufigste vermeidbare Problem.

Kleidung nach dem Zwiebelprinzip

Drei Schichten, die sich einzeln kombinieren lassen: Zuunterst atmungsaktive Funktionswäsche, am besten aus Merinowolle – sie wärmt auch feucht und riecht nach drei Tagen noch nicht. Darüber eine Isolationsschicht, also Fleece- oder Daunenjacke. Zuoberst eine wind- und wasserdichte Jacke mit hoher Atmungsaktivität, zum Beispiel eine Softshell oder Hardshell wie dieses Modell von Mammut. Bei der Hose bewährt sich eine leichte, winddichte, schnelltrocknende Softshellhose; als Alternative für den Sommer eine Trekkinghose mit abnehmbaren Beinen. Mütze und dünne Handschuhe gehören auch im August in den Rucksack – der Morgen auf 2 500 Metern hat oft einstellige Temperaturen.

Wanderstöcke

Stöcke helfen bei der Trittsicherheit und entlasten im Abstieg die Knie erheblich. Dreiteilige Teleskop- oder Faltstöcke aus Carbon oder Aluminium lassen sich klein zusammenlegen und außen am Rucksack befestigen, wenn du die Hände für eine versicherte Passage brauchst.

Kartenmaterial, Kompass, GPS

Das Mobiltelefon ist heute für die meisten das primäre Navigationsgerät – und gleichzeitig die anfälligste Komponente der Ausrüstung: Akku, Kälte, kein Netz. Eine topografische Karte im Maßstab 1:25 000 oder 1:50 000 und ein Kompass wiegen zusammen unter 100 Gramm und funktionieren immer. Mindestens genauso wichtig: die Wegweiser lesen können. Der genormte gelbe Pfeil der Alpenvereine zeigt Schwierigkeit (Farbpunkt), Zielort, Zwischenziel, Gehzeit und Wegnummer. Die Wegnummern folgen einem System: Die Hunderterstelle bezeichnet den Gebirgszug, in den Nördlichen Kalkalpen sind die Grundnummern gerade (200, 400, 600, 800), in den Zentralalpen ungerade (100, 300, 500, 700, 900). Wer das kennt, erkennt am Wegweiser sofort, ob er noch im richtigen Gebirge unterwegs ist.

Erste-Hilfe-Set und Biwaksack

Beides trägst du hoffentlich die ganze Tour, ohne es je auszupacken. Das Erste-Hilfe-Set sollte Blasenpflaster, Tape, Verbandmaterial, eine Rettungsdecke und persönliche Medikamente enthalten. Ein Biwaksack wiegt 100 bis 200 Gramm und kann bei einem Wettersturz oder einer Verletzung, die das Weitergehen verhindert, den Unterschied machen, bis Hilfe kommt. Die europäische Notrufnummer 112 funktioniert in allen Alpenländern; in Österreich erreichst du die Bergrettung zusätzlich über 140, in der Schweiz die Rega über 1414.

Wie lange bist du unterwegs? Die Wanderzeit berechnen

Wie viel Wasser und Verpflegung in den Rucksack gehört, hängt davon ab, wie lange du tatsächlich gehst. In Deutschland und Österreich wird nach DIN 33466 angenommen, dass du auf einer Wanderung in einer Stunde 4 Kilometer Horizontalstrecke, 300 Meter im Aufstieg oder 500 Meter im Abstieg zurücklegst. Daraus ergibt sich die Gehzeit so: Du rechnest die Zeit für die Horizontalstrecke und die Zeit für den Auf- oder Abstieg getrennt aus. Der kleinere der beiden Werte wird halbiert und zum größeren addiert.

Ein Beispiel: Die Etappe hat 8 Kilometer Horizontalstrecke und 1 200 Meter Aufstieg. 8 Kilometer geteilt durch 4 Kilometer pro Stunde ergibt 2 Stunden. 1 200 Meter geteilt durch 300 Meter pro Stunde ergibt 4 Stunden. Der kleinere Wert (2 Stunden) wird halbiert und zum größeren addiert: 4 Stunden plus 1 Stunde ergibt 5 Stunden Gehzeit. Pausen sind darin nicht enthalten – rechne für eine Tagesetappe eine weitere Stunde dazu. Die Zeiten auf den gelben Wegweisern basieren auf derselben Norm.

Ausrüstung je nach Art der Wanderung

Wandern ist nicht gleich Wandern. Bergwandern auf markierten Wegen im unvergletscherten Gelände ist der Normalfall, für den die Liste oben gedacht ist. Beim Trekking mit Zeltübernachtung kommen Zelt, Schlafsack, Isomatte und Kocher dazu – der Rucksack wird deutlich schwerer und größer. Trailrunning kehrt das Prinzip um: minimales Gepäck, Laufweste statt Rucksack, dafür höchste Anforderungen an Kondition. Beim Weitwandern (über 300 Kilometer, mindestens drei Bundesländer oder Regionen) und Fernwandern (über 500 Kilometer, mindestens drei Staaten) zählt vor allem, was du täglich trägst; eine gute Hüttenlogistik ersetzt Gepäck. Und beim Schneeschuhwandern ohne feste Wege, meist unter der Baumgrenze, kommt eine Anforderung dazu, die im Sommer keine Rolle spielt: die Lawinengefahr. Dafür braucht es nicht nur andere Ausrüstung, sondern Ausbildung.

Perfekt ausgerüstet bist du für die Berge bereit. Wir wünschen dir viel Spaß bei deiner Wanderung.


Wegekategorien, Wegnummern, die Varianten des Wanderns und die großen Fernwanderwege der Alpen – von der Via Alpina mit ihren 116 Etappen bis zum Ostallgäuer Höhenweg – findest du ausführlich im Wanderkapitel des Alpenbuchs (Seiten 124 bis 134). Und wenn die Tour geschafft ist: Auf der Alpen-gestalten-Karte kannst du sie eintragen.

Teaser für Das Alpenbuch – das große illustrierte Standardwerk über die Alpen - 364 Seiten mit über 1001 Illustrationen, Grafiken und Karten.